»Es wird Spaß machen, das zu studieren«

Neue Schwerpunkte und mehr Praxis: Die Journalismusstudiengänge im Fachbereich Media ändern sich ab dem Wintersemester grundlegend. Auf der Infomesse der h-da am Montag konnten sich Interessierte über das Studienangebot informieren. Prof. Dr. Lorenz Lorenz Meyer spricht im Interview über die Änderungen. Warum die h-da ein Baby verlieren muss und »irgendwas mit Medien« machen wollen nicht reicht.

Herr Lorenz-Meyer, Sie gelten als einer der Pioniere im Onlinejournalismus – welchen Stellenwert haben die Journalismus-Studiengänge an der h-da aus Ihrer Sicht?

Unsere Studiengänge spielen in der Journalistenausbildung in Deutschland weiterhin eine besondere Rolle. Wir arbeiten schon seit langem mit dem Schwerpunkt Internet und haben alle Entwicklungen der letzten 13 Jahre mitgemacht. Insofern können wir auch gut trennen zwischen dem, was eine kurzlebige Mode ist und dem, was tatsächlich bleibt.

Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer be einem Vortrag an der h-da

Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer bei einem Vortrag in Dieburg. Seit 2004 ist er Professor für Onlinejournalismus an der h-da. Foto: Steven Wolf

Sprich, die Umstrukturierung ist im Prinzip eine Antwort auf die Entwicklungen in der Branche. Welche Änderungen gibt es also ab dem Wintersemester?

Zum einen haben wir den Wahlpflichtanteil innerhalb des Studiums deutlich erweitert. Das heißt, wir sind nicht mehr so darauf aus, einen fest fixierten Kanon von Veranstaltungen anzubieten, den jetzt alle unbedingt machen müssen. Onlinejournalismus ist nicht mehr ein Phänomen, auf das man ständig hinweisen muss. Er hat sich inzwischen als Bestandteil des Medienwandels durchgesetzt. Zum anderen trennen wir künftig den alten PR-Schwerpunkt vom Journalismus. Dadurch haben wir jetzt die Möglichkeit, Ressortschwerpunkte innerhalb des Onlinejournalismus zu setzen. Wir bieten an, das Studium zu vertiefen, in Richtung Europa und internationaler Journalismus auf der einen, und Wissenschaft und Daten auf der anderen Seite.

Der bisherige Vertiefungs-Schwerpunkt PR erhält einen eigenen Bachelor-Studiengang. War ein Grund dafür die Diskussion, ob Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus überhaupt in einen einzigen Studiengang gehören?

Nein. Wir haben die Diskussion natürlich gelegentlich führen müssen, weil uns das immer wieder vorgeworfen worden ist. Aber wir haben auch zeigen können, dass wir das doch immer sauber getrennt haben. Wenn sich ein Student einmal entschieden hatte, den Schwerpunkt PR zu wählen, dann war das eine klare Richtungsentscheidung, die sich dann auch im Curriculum ausgeprägt hat. Es hat nie den Moment gegeben, wo wir als Ausbildungsziel eine Art Mischmasch aus PR und Journalismus angeboten haben. Insofern waren diese Vorwürfe nicht gerechtfertigt. Aber getrennte Studiengänge machen es natürlich leichter, ihnen zu begegnen.

Welche Dinge mussten Sie mit Ihren Kollegen während der Planung der neuen Studiengänge am meisten diskutieren?

Was uns sicher am meisten wehgetan hat, war die Beendigung des alten Studiengangs Wissenschaftsjournalismus. Wie soll man sagen – das ist ein Baby, das uns allen sehr am Herzen lag. Meine Kollegen Annette Leßmöllmann, Peter Schumacher und jetzt Torsten Schäfer haben den Studiengang mit Erfolg durch manche Krise hindurchgeführt. Er hat hervorragende Absolventen hervorgebracht, aber er ist eben immer sehr klein gewesen – und bedroht durch logistische und praktische Probleme. Die Studierenden mussten häufig zwischen Darmstadt und Dieburg pendeln. Außerdem gab es Abstimmungsprobleme zwischen den beteiligten Fachbereichen, die es zu lösen galt. All das hat zu enormen Reibungsverlusten geführt. Aber wir erhalten den Wissenschaftsjournalismus ja auch – schließlich haben wir da ja auch einen guten Ruf. Wir integrieren ihn als Vertiefungs-Schwerpunkt in den Online-Journalismus, und setzen ihn dabei auf ein etwas anderes Gleis. Wir konzentrieren uns weniger auf Laborsituationen und Naturwissenschaften, sondern auf einen Trend im Onlinejournalismus: Datenjournalistische Formate gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Einige unserer OJ-Studenten haben sich schon des öfteren mehr regelmäßige, dafür weniger Kurse in Blockseminaren gewünscht. Hat sich da etwas geändert?

Nein, wahrscheinlich eher nicht. Wir haben immer einen hohen Anteil an Lehrbeauftragten, die wenig Zeit haben, weil sie selbst in Arbeitsverhältnissen stehen. Leute, die beim Hessischen Rundfunk oder der FAZ arbeiten, jede Woche nach Dieburg zu schicken – das geht einfach nicht. Planerisch ist das für uns sehr schwierig, die tausend Blockseminare dann irgendwie in die richtigen Räume zu verteilen und auf die Reihe zu kriegen. Das ist natürlich etwas traurig – anders lässt es sich aber kaum organisieren.

Welche Anregungen von Studenten oder ehemaligen Absolventen konnten Sie bei der Umstrukturierung berücksichtigen?

Das ist eine schwierige Frage. Es sind natürlich viele Gespräche in die Diskussionen eingegangen. Zwar haben keine Absolventen konkret in unsere Planung eingewirkt, aber wir haben immer wieder sehr positive Rückmeldung zu den Praxisanteilen unseres Studiengangs bekommen. Und das haben wir in der Tat versucht aufzugreifen, indem wir aus der kürzeren berufspraktischen Phase ein vollständiges Praxissemester gemacht haben. Das ist, wenn Sie so wollen, auf die Rückmeldungen zurückzuführen – übrigens auch auf die unserer Partner in den Medien. Auch für die Idee, Datenjournalismus ins Curriculum zu integrieren, gab es Impulse von Absolventen.

Das letzte studentische Projekt wird in Zukunft nach dem Praxissemester stattfinden. Welchen Vorteil kann das haben? Die jetzigen OJ-Studenten gehen ja erst danach in die Praxisphase.

Ja genau, das ist eine gute Beobachtung. Die Erfahrungen, die die Studierenden aus der Praxisphase mitbringen, können sie wiederum in die Lehrprojekte einbringen, wo die Leute aus ihren Praxisstellen berichten können. „Wie haben wir das dort gelöst, wie machen die Profis das eigentlich?“ Sie können dann dort ihr erstmal noch isoliertes Wissen teilen und damit den Lehrerfolg deutlich steigern.

Ab Mitte Mai können sich Studieninteressierte bewerben. Was sollten diejenigen mitbringen, die sich für einen der journalistischen Studiengänge interessieren?

Gut wäre es, wenn die interessierten Kandidaten oder Kandidatinnen bereits eine Neugier gegenüber der journalistischen Arbeit mitbringen. Nur mal später „irgendwas mit Medien“ machen zu wollen, reicht nicht. Journalismus heißt ja nicht nur schnell mal was schreiben. Man muss auch bereit sein, viel zu lesen, geduldig und hartnäckig an einem Thema dranzubleiben. Wenn man das mitbringt, ist man hier glaube ich sehr gut aufgehoben.

Würden Sie denn hier studieren, wenn Sie noch einmal 20 sein dürften?

Ja.

Wieso?

Wir haben folgenden Spruch tatsächlich gerade erst im Kollegenkreis gehört, als wir das neue Modulhandbuch fertig geschnürt hatten – der Kollege Schumacher hat gesagt: „Das wird ein schöner Studiengang, den hätte ich früher auch gerne studiert!“ Das Entspannte am Bachelor in sieben Semestern ist, dass man einfach mehr Zeit hat und gerade im Abschlussjahr neben dem Forschungsprojekt und der Bachelorarbeit nebenbei nicht noch kurz getaktete Lehrveranstaltungen hinzukommen. Das ist einfach eine runde Sache geworden, auch wegen der Mischung aus Theorie und Praxis. Es wird Spaß machen, das zu studieren.