Online-Journalismus-Blog

Foto: flickr/Tim CaynesFoto: flickr/Tim Caynes

Hier reflektieren Studierende und Dozenten die Entwicklung der Internetmedien, sowie die Herausforderungen, denen sich Journalisten und Medienmacher heute insgesamt stellen müssen.

Septemberticker

Zum Wintersemester haben wir einige Neuigkeiten zu vermelden: Wir begrüßen sehr herzlich unseren Kollegen Peter Schumacher, der zum 1.9. den Ruf an die h-da angenommen hat. Er hatte in den vergangenen beiden Semestern bereits eine Vertretungsprofessur inne und wird weiterhin in beiden Journalismus-Studiengängen unterrichten. Zudem übernimmt er die Leitung des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus. Annette Leßmöllmann hat diesen während der vergangenen drei Jahre geleitet und befindet sich zur Zeit im Forschungssemester.

Der Studiengang Wissenschaftsjournalismus wurde zum Wintersemester 2010/11 für sieben Jahre reakkreditiert. Der interdisziplinäre und praxisnahe Ansatz hat sich als erfolgreich erwiesen und wurde von den Gutachtern ausdrücklich gelobt. Im Detail haben wir Anregungen unserer Studierenden, Lehrenden sowie von Vertretern des Berufsfelds aufgegriffen und einige Lehrveranstaltungen und Module angepasst. Dieses aktualisierte Studienprogramm ist ab Jahrgang 2010 gültig (s. Download).

Unsere Studiengänge sind übrigens sehr begehrt: Zum Wintersemester haben wir einen Bewerberrekord zu verzeichnen. Für Online-Journalismus gingen 758 Bewerbungen ein (bei 40 Studienplätzen), für die 20 Plätze im Fach Wissenschaftsjournalismus bewarben sich 341 Interessenten.

Schöne Neue Welt

Das vierte Semester präsentiert stolz: Die versprochene Artikelserie auf taz.de.

Lesen, sehen und hören Sie Geschichten über Ökobilanzen (auch von Katzen), nächtliche Guerilla-Gärtner und sexy Nachhaltigkeit. Der Artikel über Fleisch aus dem Labor erscheint auch gedruckt (in der aktuellen Sonntaz vom 7./8. August 2010) .

Der Begriff »Schöne neue Welt« ist einmal nicht im Huxley’schen Sinne ironisch gemeint. Im Gegenteil: Ganz konkret suchen die Autoren nach neuen Wegen, gut zu leben und dabei den Planeten zu schonen.

Verlage vs. ARD: Die Alles-oder-Nichts-Frage

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien am vergangenen Mittwoch unter dem Titel „Bestellte Wahrheiten“ ein Kommentar des Medienjournalisten Michael Hanfeld. Darin kritisierte er ein von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu den Online-Aktivitäten der ARD sowie die dazugehörige Pressemitteilung und sprach unter anderem von der „Herrschaft des Staatsjournalismus“ und dem „Ende der freien Presse“, das drohe, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Präsenz im Internet nicht endlich zurückfahren würden.

An sich wäre Hanfelds Artikel nicht weiter bemerkenswert, spiegelt er doch lediglich den in Deutschland schon länger tobenden Streit zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wider. Aber weil der Kommentar auf der Titelseite einer der renommiertesten deutschen Tageszeitungen erschien und Hanfelds Angriffe in ihrer ganzen Schärfe beispielhaft für die Lobbyarbeit der Verlage sind, ließen die Reaktionen natürlich nicht lange auf sich warten.

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust sah sich gezwungen, mit einem offenen Brief an Hanfelds Chef, den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, zu antworten. Darin brandmarkte er den Kommentar Hanfelds als „völlig unverhältnismäßig und einer seriösen Zeitung unwürdig”.

Und auch im Netz waren die Reaktionen auf den FAZ-Artikel überwiegend negativ. So kritisierte der Journalist und Blogger Christian Jakubetz in seinem Blog, dass die Welt Michael Hanfelds nur aus schwarz und weiß bestehe und stellte richtigerweise fest, dass der unabhängige Journalismus in Deutschland durch öffentlich-rechtliche Angebote wie tagesschau.de oder heute.de keineswegs in seinen Grundfesten bedroht werde.

Interessanterweise wies Jakubetz außerdem auf das britische Pendant von ARD und ZDF, die BBC, hin und stellte fest, dass eine Diskussion darüber, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Internet darf und was nicht, in Großbritannien überhaupt kein Thema sei. Das stimmt zwar so nicht ganz, denn auch die BBC sieht sich hin und wieder Attacken aus Verlegerkreisen ausgesetzt. Dennoch ist die Kritik an den Online-Aktivitäten der BBC (auch seit dem neuesten Relaunch) im Vergleich zum beständigen Heulen der Verleger in Deutschland eher gering.

Wie erfolgreich die deutschen Verlage mit ihrer andauernden Lobbyarbeit inzwischen sind, lässt sich auch an einem weiteren Beispiel gut nachvollziehen. Im Weblog der Tagesschau erschien vor kurzem ein Beitrag von tagesschau.de-Redaktionsleiter Jörg Sadrozinski. Darin beschäftigt er sich mit dem so genannten „Depublizieren“, das heißt dem Löschen von bereits online gestellten Inhalten nach einer gewissen Zeitspanne. Mit einer Vokabel also, die in naher Zukunft in den Online-Redaktionen von ARD und ZDF leider zum Alltag gehören wird.

Denn seit der Zwölfte Rundfunkstaatsvertrag (RStV) im letzten Jahr in Kraft trat, steht fest, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ab dem 1. September 2010 einen Großteil der Inhalte auf ihren Websites nach sieben Tagen löschen müssen. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Per Gesetz werden von den Bürgern eigentlich bereits bezahlte und sowieso erstellte Inhalte nach einer kurzen Gnadenfrist einfach wieder gelöscht. Ganz so, als habe es sie nie gegeben. Das verursacht nicht nur neue Kosten, sondern steht auch in diametralem Widerspruch zum Idealbild vom Internet als immer weiter wachsendem und unbegrenztem Wissensspeicher. Ein beispielloser Vorgang, findet nicht nur Stefan Niggemeier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Die Rechnung hinter den Anstrengungen der Verleger, ARD und ZDF online auf ein Mindestmaß zurechtzustutzen, ist leicht zu durchschauen und schnell erklärt: Nur, wenn im Internet möglichst wenig Qualitätsinhalte kostenlos zur Verfügung stehen, können die eigenen Paid-Content-Angebote überhaupt funktionieren. Niemand würde für einen Artikel zur Gesundheitsreform auf der Website des Hamburger Abendblatts zahlen, wenn es nur einen Klick weiter, zum Beispiel bei tagesschau.de, einen qualitativ ähnlichen oder gar überlegenen Beitrag geben würde.

Kai Biermann ging darum im Zuge der Diskussion um die iPhone-App der Tagesschau in der Online-Ausgabe der Zeit schon vor einigen Monaten so weit, davon zu sprechen, dass Mathias Döpfner, der Chef des Springer-Konzerns, stellvertretend für eine ganze Branche den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am liebsten komplett abschaffen würde. Ganz falsch hat er damit offenbar nicht gelegen, denn wie es im Moment aussieht, sind die Verlage auf einem guten Weg.

Martin Hoffmann ist Absolvent des Studiengangs Online-Journalismus im Jahr 2010. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Einblick in unsere Werkstatt

(Foto:tonylanciabeta/Lizenz: by-sa/(M)Jan Schneider)

Die Projekte im Sommer 2010

Die Projekte sind das Herz unseres Studiengangs. Hier arbeiten die Studierenden wie in Redaktionen oder Agenturen zusammen, sie  trainieren das Handwerk.  Oft  sind renommierte Medien mit im Boot, sie begleiteten die Projekte und veröffentlichen die Ergebnisse. In diesem Semester waren dies unter anderem  faz.net, fnp.de und taz.de.

Am kommenden Montag, 12. Juli, stellen die Studierenden ihre Projekte in der Hochschule  vor.  Alle, die sich für unsere Arbeit  interessieren, sind herzlich eingeladen dabei zu sein!

Der Ort: Kleine Aula des Campus Dieburg

Die Zeit: Montag, 12. Juli 2010, ab 14.15 bis ca. 17.45

Das Programm:
14 .15 – 14.45  Lokaljournalismus (2. Semester OJ, Leitung:  Dr. Peter Schumacher)
Lokaljournalismus ist nach wie vor das wichtigste Arbeitsfeld für Journalisten. Viele Lokalzeitungen haben allerdings mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. Rezepte für lokale Berichterstattung im Netz sind gefragt. Das Projektteam hat mit DieBlogBurg.de ein Angebot für Dieburg konzipiert, Themen gesucht und in unterschiedlichen Darstellungsformen wie Berichten, Reportagen, Porträts und Umfragen umgesetzt. Parallel haben die Teilnehmer Lokalredakteure, lokale Medienmacher und Experten befragt und eine Bestandsaufnahme des Lokaljournalismus erstellt, die ebenfalls auf der Projektwebsite zu finden ist.

14.45 – 15.15 Kulturblog (2. Semester OJ, Leitung: Prof Dr. Lorenz Lorenz-Meyer)
Was tut sich kulturell in unserer Region? In einem Kooperationsprojekt mit der Frankfurter Neuen Presse (FNP) haben sich Studierende des 2. Semesters Online-Journalismus mit Menschen getroffen, die Theater spielen, tanzen, extravaganten Sportarten nachgehen, oder Wände mit der Spraydose bemalen. Die Resultate – Texte, Fotostrecken, Videos – gibt es einem Weblog zu bewundern.

15.30- 16.00 Nachhaltig  glücklich bei taz.de (4. Semester OJ, Leitung: Prof. Dr. F. Herrmann/ Prof. Dr. P. Seeger)
Seit elf Wochen bloggen Studierende des  4. Semesters fast täglich bei taz.de. Sie präsentieren praktische Tipps, witzige Geschichten und klare Positionen zum scheinbar trockenen Thema Nachhaltigkeit: Die User lernen, wie sie ihr iPad eigenhändig reparieren können. Sie erfahren, warum Kinder nur dicke Bäume fällen würden.  Und wie die Bundeswehr den Staatshaushalt sanieren könnte.  Nachzulesen im taz-Blog „Schöne Neue Welt“.
Ab Mitte Juli folgt eine Serie von Artikeln, die einzelne Aspekte des Themas vertiefen. Da geht es  unter anderem um den letzten Glühbirnenverkäufer, um künstliches Fleisch und um die Kostbarkeit des Mülls.  Und vielleicht verraten wir dann auch, warum Nachhaltigkeit eben doch sexy ist.

16.00 – 16. 30 Zwei TV-Wissensmagazine »Somnus – rund um Schlaf« und »Besser angepasst?« (4. Semester OJ, Leitung Prof. Hubert Eisner/ Prof. Dr. Annette Leßmöllmann)
Wissenschaft im Fernsehen kann unterhaltsam sein – und dabei interessant und lehrreich. Das wollten in diesem Seminar zwei Redaktionsteams zeigen: Sie produzierten zusammen mit Studierenden des Studienbereichs Media, Arts  and Sciences zwei Wissensmagazine für das Campus-TV. »Somnus – rund um Schlaf« testet neuartige Wecker, fragt sich, ob wir auch mit nur zwei Stunden Schlaf täglich gut durch den Prüfungsstress kommen und schaut sich ein Mittagschlafhotel von innen an. Das Redaktionsteam »Besser angepasst?« hat einen ehemaligen Aussteiger interviewt und gefragt, ob ihm der Wiedereinstieg in die Gesellschaft gelungen ist. Außerdem präsentiert die Sendung einen blinden Sportschützen – »besser angepasst« durch Technik. Und eine Gruppe hat Tiere aufgespürt, die besser überleben, weil sie sich menschlich verhalten.

16. 45 – 17.15 Zukunft Online-PR: Das Seminar (6. Semester PR, Leitung: Prof. Dr. Thomas Pleil)
Bisher wurden unter dem Titel “Zukunft Online-PR” zwei erfolgreiche Tagungen am Mediencampus Dieburg organisiert. Diesmal bereitet ein Studententeam eine zweitägige Weiterbildung für PR-Praktiker vor. Im Sommersemester stehen Markt- und Wettbewerbsanalyse, Business-Plan, inhaltliche Vorbereitung und Marketing für die Veranstaltung im Vordergrund. Die Weiterbildung wird voraussichtlich im November 2010 stattfinden.

17.15 – 17.45 Wirtschaft anders denken (6. Semester OJ, Prof. Dr. Lorenz Lorenz-Meyer)
Die Finanzkrise hat die Grenzen eines ausschließlich an den Gesetzen des Marktes orientierten Wirtschaftsgeschehens offenkundig gemacht. Studierende des 6. Semesters Online-Journalismus haben nach anderen Denkansätzen und experimentellen Vorgehensweisen gesucht und sind fündig geworden. Die teilweise erstaunlichen Resultate ihrer Recherchen werden sie in einer Beitragsserie bei faz.net präsentieren. Einen ersten Eindruck geben sie auf unserer Projektpräsentation zum Semesterende.

FTOJ – Frankfurter Tag des Online-Journalismus 2010

„Strg – Alt – Entf? Neustart für den Journalismus?“ war das Motto des FTOJ, dem 6. Frankfurter Tag des Online-Journalismus. Journalisten, Wissenschaftler, Kommunikationsexperten und Verleger diskutierten hier, wie das Internet die Arbeit von Journalisten verändert, und wie das Internet sinnvoll für die journalistische Arbeit eingesetzt werden kann. Der FTOJ hat gefragt: „Welche Ansätze gibt es, um heute Journalismus im Netz zu machen?“

Internet als Kommunikationsmedium
Online-Journalismus sollte nicht nur journalistische Inhalte der Offline-Medien verwerten, sondern mit der Verwendung moderner Kommunikationstools selbst investigative und hochwertige Inhalte generieren. Dr. Mercedes Bunz, die derzeit Redakteurin für Technologie und Medien beim Guardian in London ist, forderte eingangs der Veranstaltung: „Ich möchte, dass endlich nicht mehr Internet, Online-Journalismus und Bildergalerien in einem Satz genannt werden, sondern Internet und investigativer Journalismus!“ Das Internet darf also nicht nur zum Distributionsmedium verkommen. Journalisten müssen die Möglichkeiten moderner Kommunikation, wie Social Media, nutzen! Mit den Worten des Referenten Dr. Stephan Baumann vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz gesagt: „Social Media verstehen – sie bleiben!“

Die Veranstalter, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Hessische Rundfunk (HR), sind selbst als gutes Beispiel voran gegangen und haben den FTOJ per Video-Stream, Twitter und Facebook-Seite von Frankfurt ins Internet übertragen. So konnten für den FTOJ auch interessante Fragen und Anregungen aus dem Netz gesammelt und vor Ort weiter diskutiert werden.

Bürgerjournalismus
Bürger sollen Informationen und Bildmaterial an die Redaktionen liefern. Solche Aufrufe per Social Media an die Bevölkerung sind ein guter Weg, um Themen spannender zu machen und an exklusives Material zu kommen. CNN setzt genau dort mit seinem Ireport an. Mit einer App fürs Iphone kann sogar blitzschnell gefilmt und hochgeladen werden. Oder die New York Times, die mit ihrem Projekt Room For Debate (wie in diesem Beispiel) qualitative Beiträge von Lesern sammelt. Eine Expertengruppe schickt hier Fragen an die Bevölkerung, die sich dann an der Debatte beteiligen kann. Von der Redaktion ausgewählt, landen dann einige Beiträge im Anhang zu den Artikeln. Der Artikel Video reveals G20 Police aussault on man who died von Paul Lewis wäre ohne das Zutun der Internetgemeinde nie erschienen. Lewis machte seine Recherche um den G20-Gipfel bei Twitter öffentlich und gelangte so an das exklusive Videomaterial, dass die Polizeiattacke dokumentiert. Auch die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson-River, das Erdbeben auf Haiti oder der Tot der Studentin Neda 2009 während der Proteste im Iran sind Beispiele dafür, wie Twitter für die Recherche genutzt werden kann und Inhalte bringt, die vom Online ins Offline fließen und nicht umgekehrt.

Online-Lokal-Journalismus
Social Media ist nicht nur ein Thema für die ganz Großen der Medienindustrie. Lokal- und Regionalzeitungen können ebenso von der vernetzten Gesellschaft und der riesigen verfügbaren Datenmenge im Netz profitieren. Auf dem FTOJ wurden drei regionale Projekte vorgestellt:

Hardy Prothmann (Vortrag an der Hochschule Darmstadt) stellte seine regionalen Blogs Ladenburgblog, Hirschbergblog und Heddesheimblog vor. Prothmann will wieder ordentlichen investigativen Journalismus machen. Ganz anders als die regionalen Tageblätter, die ihre Berichterstattung am Anzeigengeschäft ausrichten. Vor allem unabhängig sollen die „journalistischen Inhalte“ auf seinen Blogs sein, was ihm nach eigenen Angaben recht gut gelingt.

Die Rhein-Zeitung hat als regionale Tageszeitung Social Media bereits in die journalistische Praxis integriert. Der Chefredakteur der Rhein-Zeitung Christian Lindner, vergibt seine Volontärspositionen grundsätzlich nur an Bewerber, die in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Youtube, etc. unterwegs sind. Ein Anteil der kommenden Volontäre soll zukünftig aus dem „Bloggermilieu“ stammen. Eine journalistische Ausbildung wäre dafür nicht zwingend notwendig, betonte Christian Lindner. Es gehe ihm vor allem darum, dass sich seine Volotäre im Netz auskannten. So wird jedem Volontär ein Account bei Twitter und wer-kennt-wenn eingerichtet, um mit der Zielgruppe Kontakt zu halten, und in den Dialog treten zu können. Die Präsentation von Christian Lindner steht auf Slideshare zur Verfügung, der gesamte Vortrag auf den Seiten des HR.

Robert Basic, der seinen Blog Basic Thinking bei Ebay für fast 50.000 Euro verkaufte, will sich mit Buzzriders als lokale Anlaufstelle im Netz etablieren. Auf der Plattform sollen sich die Menschen „über das wichtigste Tagesgeschehen austauschen und informieren sowie untereinander vernetzen, Jobs suchen, Gebrauchtwaren verkaufen, Produkte und Dienstleistungen vor Ort finden oder einfach nur Spaß haben können“. Die Seite befindet sich noch in der Entwicklung. Wer „mitarbeiten“ möchte oder sich dafür interessiert, was aus dem Projekt wird, erfährt alles dazu in der Community.

Internet-Tools als Ideengeber
„Nicht abhängig von Maschinen sein, sie lenken, sie steuern!“, forderte der Soziologe und Blogger Dr. Benedikt Köhler auf dem FTOJ, sprach vom Cyborg-Journlisten und verwies auf den Wired-Artikel „The Cyborg Advantage“, der die zunehmende Technisierung und Computerisierung des Menschen thematisiert. Im Slow Media Manifest mahnt er zum verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie, der Vernetzung, dem Internet und sozialen Medien. Sogenannte Aggregatoren, mit deren Hilfe Medieninhalte gesammelt, aufbereitet und für eine Zielgruppe neu zusammengestellt werden können, sind zur Unterstützung der Recherche erlaubt, aber keine Story-Generatoren. Redakteure sollten sich also auch in der vernetzten Welt noch Zeit für die Recherche lassen. Ein tolles Beispiel für einen Aggregator ist der Relation Finder auf dbpedia. Hier können Beziehungen zwischen Begriffen hergestellt werden, die unter Umständen bei der Entwicklung einer Story hilfreich sein können. Auch die Seiten Rivva (Aggregator für News und Diskussionen überwiedgend deutschsprachiger Weblogs), Hypemachine (Musik Blog Aggregator) und Tiqqer (Aggregator für individuelles Monitoring) bieten nützliche Funktionen.

Offline- und Online-Journalismus kommen sich allmählich näher, oder wie Christian Lindner in seiner Präsentation titelte: „Print umarmt Social Media“. Wir sind gespannt, welche neuen Projekte, und hoffentlich auch wieder Erfolgsstories, der nächste Frankfurter Tag des Online-Journalismus zu bieten hat.

Noch mehr Projekte und Anregungen vom FTOJ:

Plattformen für investigativen Journalismus:

Location Based Services:

Buchtipps:

Verschiedenes:

Lehrforschung: Social Web und B2B

Es war ein Lehrforschungsprojekt im PR-Schwerpunkt des Studiengangs Online-Journalismus – nun ist das Ganze veröffentlicht unter dem Titel »Mehr Wert schaffen. Social Media in der B2B-Kommunikation«. Im Auftrag der Darmstädter PR-Agentur profilwerkstatt hatten sechs Studenten die Untersuchung auf die Beine gestellt, sich durch Studien, Fachbücher und Blogposts gewühlt, mit zwölf Experten ausführliche Interviews geführt und vier Fallstudien erstellt. Dank profilwerkstatt wurde daraus ein kleines Büchlein; die wichtigsten Ergebnisse wurden beim Forum für Vordenker vorgestellt.

Ein ausführlicher Artikel zum Forum ist nebenan in den PR-Fundsachen zu finden, ein bisschen mehr zur Studie im Textdepot.

Besuch aus Graz

Von Mittwoch bis Donnerstag (9.-10. Juni 2010) wird Heinz Wittenbrink von unserer Partnerhochschule FH Joanneum in Graz (Österreich) bei uns sein. Mit dem Joanneum verbindet uns eine Erasmus-Partnerschaft, der dortige Bachelor-Studiengang »Journalismus und Public Relations« hat viele Ähnlichkeiten mit unseren Journalismus-Studiengängen.

Heinz Wittenbrink wird während seines Besuches zwei Lehrveranstaltungen halten:

  • Am Mittwoch, den 9. Juni, ab 12 Uhr, wird er von dem Projekt eines »Web Literacy Lab« berichten, an dem er in Graz arbeitet
  • Am Donnerstag, den 10. Juni, ab 10:15 Uhr, geht es in einem Vortrag um die österreichische Blogosphäre

Beide Veranstaltungen finden im Rahmen bestehender Lehrveranstaltungen (Mi: Presseschau 2. Semester, Do: Innovationen im Journalismus, 4. Sem.) statt, jeweils im Raum 16/125 am Dieburger Campus. Studierende aus anderen Jahrgängen oder Lehrveranstaltungen sind – ebenso wie externe Teilnehmer – herzlich eingeladen und können sich für die Teilnahme an den Gastvorträgen bei Ihren Dozenten entschuldigen lassen.

(Foto: Privat)

Gastvorträge: Wirtschaftsjournalismus in der Krise

Am Mittwoch, den 26. Mai 2010, findet ein weiterer Vortrag im Rahmen unserer informellen Ringvorlesung statt. Zu Besuch ist Dr. Wolfgang Storz, Medienberater und ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

Wolfgang Storz wird die umfangreiche Studie über die Defizite des
deutschen Wirtschaftsjournalismus angesichts der Finanzkrise
vorstellen, die er gemeinsam mit Hans-Jürgen Arlt für die Otto-Brenner-Stiftung verfasst hat und in der
die Autoren unter anderem Tagesschau und dpa massiv kritisieren. Die Studie hat bei den Betroffenen zum Teil heftige Reaktionen provoziert.

Hier noch einmal die Koordinaten für den Vortrag:

Dr. Wolfgang Storz
Wirtschaftsjournalismus in der Krise
Mittwoch, 26. Mai 2010, 16:00-17:30
Campus Dieburg, Raum 16/125

Es wird mit Sicherheit eine sehr interessante Veranstaltung. Über zahlreiches Erscheinen würden wir uns freuen.

Apple for Free!

Apple for free! Hätten Sie auch gerne? Bitteschön: Im Blog auf taz.de erfahren Sie Näheres. Studierende des 4. Semesters OJ posten dort zu Themen rund ums Glück der Nachhaltigkeit. Wir sind den Zeitdieben und Umweltrabauken auf der Spur! Und freuen uns über alle, die mitdiskutieren.

Eine Artikelserie zum Thema folgt im zweiten Teil dieses Semesterprojektes. Natürlich auch auf taz.de.



„Die ernsthafte Alternative“ – 16vor.de

Lokaljournalist Christian Jöricke ist zu Gast an der Hochschule und präsentiert mit 16vor.de sein Online-Nachrichtenportal für Trier. Drei Jahre gibt es die Seite schon, die Zugriffe steigen. Jöricke vermittelt den Studenten einen Eindruck, wie Lokaljournalismus im Internet funktionieren kann.

Von einer kurzen Nacht und einem ausgerenkten Wirbel gezeichnet, steht er im Vorlesungssaal und erzählt von seiner Vision eines Gürteltiers auf der Autobahn (es war dann doch nur ein geplatzter Reifen). Trotz erschwerter Umstände hat er die Aufmerksamkeit der Studenten schnell auf seiner Seite.

„Wir wollen eine ernsthafte Alternative zur Lokalzeitung in Trier werden“ – mit diesem Anspruch entwickelte er gemeinsam mit Marcus Stölb die Idee für die Internetplattform 16 vor.de. Christian Jöricke, der während Schule und Studium selbst viele Jahre für den„Trierischen Volksfreund“ gearbeitet hat, distanziert sich heute ganz bewusst von der Lokalzeitung. Die Qualität sei mehr zurück gegangen, die Zeitung habe stark auf Boulevard-Themen gesetzt. Dem mittlerweile in Konkurs gegangenen lokalen Radio- und Fernsehangebot habe er auch eher zweifelnd gegenüber gestanden. Und zu guter Letzt sei auch die einzige alternative Lokalzeitung wieder zurückgefahren worden.

Vor drei Jahren beschlossen Jöricke und Stölb, zu der Zeit noch Studenten, sich selbstständig zu machen. Ihr Ziel war es etwas Hochwertigeres zu produzieren, als der Volksfreund es anbietet. Jöricke gibt zu, ursprünglich immer von einem eigenen Printmedium geträumt zu haben, doch auf Grund logistischer und finanzieller Schwierigkeiten sei es dann doch ein Online-Medium geworden: 16vor.de, ein lokaljournalistisches Online-Angebot für die Stadt Trier. Die Eingrenzung auf diese eine Stadt habe man sehr bewusst getroffen. Jöricke betont: „Man braucht viel Idealismus und Identifikation mit der Stadt.“

„Die Leute sind äußerst dankbar, dass es in Trier etwas Anderes gibt.“

Der Gründer lässt die Anfänge und die Entwicklung nochmal Revue passieren. Nach einigen Monaten Planung und intensiver Zusammenarbeit mit einem IT-Spezialisten fiel der Startschuss. Die thematische Ausrichtung an den Ressorts einer Tageszeitung war von Anfang an beschlossene Sache. Dann begann die Suche nach dem Personal. In diesem Zusammenhang betont Jöricke nochmal den Qualitätsanspruch an 16vor.de, und dass er somit bei der Auswahl der Mitarbeiter besonders sorgfältig gewesen sei. Schmunzelnd verrät er sein Geheimrezept: „Man sucht sich die, die nicht besonders glücklich beim Volksfreund aufgehört haben.“ Zufrieden könne er heute auf eine Redaktion mit acht bis neun regelmäßigen Mitarbeitern blicken und auf rund 20 weitere Autoren, die hier und da einen Text zuliefern. Um die Qualität auch nachhaltig zu sichern, werde bei der Honorierung die Fairness großgeschrieben. Das bedeute, dass alle einheitlich 30 Euro pro Beitrag bekämen. Doch wie konnten die Menschen da draußen auf das Angebot aufmerksam gemacht werden? Eine anfängliche Skepsis hätten sie durchaus zu spüren bekommen, doch nach und nach sei das Schnellballsystem ins Rollen gekommen. Trotzdessen müssten die aktuellen Zahlen mit 75.000 Besuchern und 150.000 Zugriffen pro Monat weiter ausgebaut werden. Sie spürten eine große Identifikation der Leser mit 16vor.de und das lasse sie optimistisch in die Zukunft blicken. Jöricke sagt: „Die Leute sind äußerst dankbar, dass es in Trier etwas Anderes gibt.“
Das bekomme auch der „Trierische Volksfreund“ zu spüren und reagiere. Unter anderem habe die Zeitung ihr Online-Angebot mittlerweile viermal gerelauncht und Bezahlinhalte von der Seite genommen. 16vor.de fand nach Jörickes Angaben auch schon eigene Themen bei der Konkurrenz wieder, ohne dass sie als Quelle genannt wurden. „Da fehlt die Größe“, sagt Jöricke.

„Man braucht einen ziemlich langen Atem.“

Doch wie rentabel ist 16vor.de? Optimistisch blickt Jöricke in die Zukunft und spricht von einer guten Basis mit den bisherigen Werbeeinnahmen. Sie wünschten sich aber natürlich, dass es irgendwann reiche, um davon zu leben. Es gebe auch schon konkrete Pläne, um diesem Ziel etwas näher zu kommen. Die Zielgruppe solle erweitert werden, und ein größerer Relaunch stehe bevor. Eventuell sei eine Erweiterung der Themengebiete denkbar, zum Beispiel im Kinder- und Jugendbereich. Und während er in Zukunftsvisionen schwelgt, gibt er zu, seinen Traum vom eigenen Printmedium nie ad acta gelegt zu haben.

Lokaljournalist Christian Jöricke verabschiedet sich mit motivierenden Worten an die Studenten: „Das Schöne ist diese Freiheit, dass man absolut flexibel ist und als Journalist in der idealen Position ist, seine eigene Zeitung zu machen.“